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Geschrieben von Aubisque am 11.07.2011 um 14:21:

  Sicherheit im Profi-Radsport

Ich mach mal einen neuen Thread auf, weil ich zu dem Thema hier sonst nichts gefunden habe.

In dem gestrigen SpiegelOnline-Beitrag zu den TdF-Stürzen bin ich auf diese Aussage gestoßen:

Zitat:
Winokurow-Gefährte Tiralongo hingegen hat eine technische Erklärung parat. "Unsere Räder werden immer schneller. Du kannst sie in solchen Situationen einfach nicht bremsen", sagte der Italiener.


Ist dem so? Und gibt es technische Möglichkeiten an den Rädern die Sicherheit zu erhöhen? Wenn man schon über kaum sichtbaren Hilfsmotor in den Rahmen diskutiert, kann man auch über bessere Bremsen u.s.w. nachdenken.



Geschrieben von Papa Razzo am 11.07.2011 um 14:40:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Zitat:
Original von Aubisque
Ich mach mal einen neuen Thread auf, weil ich zu dem Thema hier sonst nichts gefunden habe.

In dem gestrigen SpiegelOnline-Beitrag zu den TdF-Stürzen bin ich auf diese Aussage gestoßen:

Zitat:
Winokurow-Gefährte Tiralongo hingegen hat eine technische Erklärung parat. "Unsere Räder werden immer schneller. Du kannst sie in solchen Situationen einfach nicht bremsen", sagte der Italiener.


Ist dem so? Und gibt es technische Möglichkeiten an den Rädern die Sicherheit zu erhöhen? Wenn man schon über kaum sichtbaren Hilfsmotor in den Rahmen diskutiert, kann man auch über bessere Bremsen u.s.w. nachdenken.


Naja.
Wer von einem 12 Jahre alten Renner auf ein aktuelles Modell umsteigt, ist zunächst einmal baff über die Bremswirkung - da geht jetzt aber richtig was! Vorausgesetzt, die Kombination Felge/Bremsbelag bringt vernünftig Verzögerung hin. Da seh ich das Problem eher bei den Carbonfelgen, die besonders bei Nässe in Sachen Bremsen heikel sind. Wie stark die Bremsen geworden sind, kann man auch an den Dimensionen der Steuersätze ablesen: 1 1/8 zu 1.25 oder gar 1.5 Zoll sind heute weit verbreitet - und eine Folge davon, dass stärkere Bremsen zu höheren Belastungen in Fahrtrichtung führen.

Die UCI hat Scheibenbremsen für Rennräder freigegeben. Dies stellt die Entwickler vor Herausforderungen: Für die Bremsaufnahmen und die nötigen Verstärkungen an Rahmen und Gabel kommen ganz schnell 500g Gewicht beisammen. Dafür kann man die Laufräder anders und leichter bauen, weil die Felge nicht mehr als Reibungsfläche beim Bremsen herhalten muss. Und das Bremsverhalten wird konsistenter, nimmt nicht bei Nässe stark ab.

Um auf Tiralongo zurück zu kommen: Ich glaub nicht, dass die immer schnelleren Räder das Problem sind, sondern Profis, die immer später in die Bremsen gehen, nach dem Motto "Wer bremst, verliert (ein paar Positionen - wer nicht bremst, verliert vielleicht eine Saison, vielleicht auch das Leben)".

In der Kurve, die gestern Vinokourov, van den Broeck, Zabriskie und Willems zum Verhängnis wurde, hatte 3.30min vorher ein gewisser Johnny Hoogerland schon grösste Mühe - er musste einen Fuss ausm Pedal nehmen und das schlitternde Rad wieder unter Kontrolle bringen. Dass da die sportlichen Leiter (die das aufm Screen im Auto sicher mitbekommen haben) nicht über Funk eindringlich vor dieser Kurve gewarnt haben (Funk soll ja angeblich genau für solche sicherheitsrelevanten Infos unverzichtbar sein), wirft schon Fragen auf.



Geschrieben von Hansi.Bierdo am 11.07.2011 um 15:07:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Das stimmt schon: Carbonfelgen, Nässe und gute Bremsen - choose two! volltrottel

Aber die Fahrer werden auch immer riskanter. Es wird immer öfter über Kreisel und Bordsteine gesprungen, hinter den Zuschauern auf Bürgersteigen etc. gefahren und die Abfahrten sind auch kein Kindergeburstag.

Trotzdem sollte der Veranstalter solche Kurven vielleicht anzeigen, oder über Funk ansagen lassen, es sei denn man hat Interesse an einem Favoritenausscheidungsfahren dieser Art. keine ahnung



Geschrieben von ThunderBlaze am 11.07.2011 um 16:04:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Solche Informationen stehen eigentlich auch in der Streckenbeschreibung, siehe Roadbook was die Teams bei allen Rennen erhalten, drin. Auch gibt es vor Rennstart ein Briefing mit der Organisation um eben solche Sachen zu erläutern.

Allerdings wenn ich sowas lese, frage ich mich ob einige Fahrer nicht selbst dran schuld sind:
Zitat:
Ich studiere vorher nie den Etappenplan. Ich schaue von Tag zu Tag, so habe ich das schon immer gemacht. Unser Sportlicher Leiter informiert mich noch früh genug, wenn für mich was drin sein sollte.

http://sport.t-online.de/andre-greipel-wir-sind-nur-schwer-zu-schlagen-/id_47391754/index?news



Geschrieben von Piti am 11.07.2011 um 16:05:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Carbonfelgen sind gleich in mehrerlei Hinsicht ein Risiko. Wenn sich ein Rad bei einem Zusammenstoß mit einem Hund (Burghardt) oder wenn ein Gegner drüberfährt (Cavendish) einfach zusammenfaltet, ist das Schrott. Wenn das Rad Bodenunebenheiten nicht ausfedert, wie es bei Hochprofilcarbonfelgen Normalität ist, ist das ebenfalls gefährlich. Wäre ich der Herr UCI, würde ich zunächst mal solchen konstruktiven Mist verbieten.

Felgen-Bremsenkombinationen so zu konstruieren, dass der Fahrer über den Lenker fliegt, wenn er richtig an der Vorderbremse zieht, sind schon lange kein technisches Problem mehr. Das nützt ja alles nichts, wenn bei Tempo 50 plötzlich ein Hindernis vor einem auf der Straße liegt.

Was ich bei der Sicherheitsdiskussion vermisse, sind Zahlen. Kann es statistisch untermauert werden, dass die Zahl folgenreicher Stürze in den letzten 20 Jahren zugenommen hat, oder ist das nur wieder eine Sensationsdiskussion? Kamikazefahrer und solche mit mangelhafter Radbeherrschung im Grenzbereich waren schon immer unterwegs.

Und wenn man Rennen wirklich sicherer machen will, sind Autobahnen, auf denen die Geschwindigkeit bei einem Sturz höher und die Aufmerksamkeit der Fahrer generell niedriger ist, vermutlich nicht die Lösung.



Geschrieben von adapto am 11.07.2011 um 16:22:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Zitat:
Original von Papa Razzo
Die UCI hat Scheibenbremsen für Rennräder freigegeben.

Gilt dies nicht nur fuer die Crosser?

Bessere Bremsen bringen nichts im Strassenradsport. Das Hinterrad kann man jetzt schon blockieren und vorne kann man auch so stark Bremsen, dass man sich ueberschlaegt.

Meiner Meinung nach sind Rennraeder auch nicht irgendwie schneller geworden, sondern die Rennfahrer einfach risikofreudiger.



Geschrieben von keizersosze am 11.07.2011 um 17:10:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Gebe noch zu bedenken, dass das Wetter bei der Tour dies Jahr recht schäbbig war. Könnte einen Beitrag zum Sturzfestival geleistet haben.

Und es ist dieses Jahr besonders auffällig, weil es allem Anschein nach überdurchschnittlich viele GK-Fahrer erwischt hat.

Dass heuer riskanter gefahren wird glaube ich nicht, denn das hieße im Umkehrschluß früher sei vorsichtiger gefahren worden. Warum sollte das so gewesen sein? Blödsinn.



Geschrieben von ThunderBlaze am 11.07.2011 um 19:39:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Interessanter Vorschlag von Voigte:
Zitat:
. "In solchen Situationen, wenn es geregnet hat und die Straße extrem glatt ist oder wenn der Regen selbst die Sicht massiv einschränkt, wäre eine Safety-Car-Phase nicht schlecht. Da würde Tempo herausgenommen, und alle kämen gut durch", sagte Jens Voigt beim Medientreffen am Ruhetag.

http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,773675,00.html



Geschrieben von oleradsport am 11.07.2011 um 19:42:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Und wenn sich das Safety Car vors Feld setzen will, passiert sowas wie bei Flecha und Hoogerland... Krank



Geschrieben von Tapefire! am 11.07.2011 um 19:44:

 

Könnten die Stürze auch zum Teil an der falschen Bereifung liegen? Es gibt bestimmt Reifen die bei Regen mehr Grip haben und andere die nur für trockene Strassen mit guter Oberfläche taugen. Es ist mir natürlich klar das es proflierte Reifen gibt, aber wir sprechen ja von iMaterial die den Ansprüchen von Profis genügt.



Geschrieben von Cyclish am 11.07.2011 um 19:45:

 

Vielleicht fehlt das EPO, damit die Sauerstoffversorgung auch bei hohen Belastungen so gut ist, dass alle voll konzentriert sind und nich über Kreuz sehen. Grübelnd



Geschrieben von Ocaña am 11.07.2011 um 19:45:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Zitat:
Original von oleradsport
Und wenn sich das Safety Car vors Feld setzen will, passiert sowas wie bei Flecha und Hoogerland... Krank


So breit ist Cancellara nun auch wieder nicht.



Geschrieben von ThunderBlaze am 11.07.2011 um 19:48:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Zitat:
Original von oleradsport
Und wenn sich das Safety Car vors Feld setzen will, passiert sowas wie bei Flecha und Hoogerland... Krank

Das Safety Car wäre das Jury Fahrzeug, du brauchst kein zusätzliches... Fahne schwenken sollte es ja genug signalisieren. Ich find die Idee nicht so übel.



Geschrieben von oleradsport am 11.07.2011 um 22:03:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Zitat:
Original von Ocaña
Zitat:
Original von oleradsport
Und wenn sich das Safety Car vors Feld setzen will, passiert sowas wie bei Flecha und Hoogerland... Krank


So breit ist Cancellara nun auch wieder nicht.


Der ist das Safety Car großes Grinsen



Geschrieben von Heinz Helfgen am 11.07.2011 um 23:43:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Zitat:
Original von Piti
Was ich bei der Sicherheitsdiskussion vermisse, sind Zahlen. Kann es statistisch untermauert werden, dass die Zahl folgenreicher Stürze in den letzten 20 Jahren zugenommen hat, oder ist das nur wieder eine Sensationsdiskussion? Kamikazefahrer und solche mit mangelhafter Radbeherrschung im Grenzbereich waren schon immer unterwegs.


http://cyclocosm.com/2011/07/has-the-2011-tour-de-france-really-been-more-dangerous/
Interessanter Beitrag, der die Zahlen der bis zur 9. Etappe ausgestiegenen Fahrer bei der Tour seit 1997 vergleicht, dabei landet 2011 irgendwo im Mittelfeld. Kann man aber so oder so interpretieren...



Geschrieben von mive am 12.07.2011 um 08:25:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Interview mit Tony Martin u.a. zu Sicherheit, Stürzen:

http://www.sportschau.de/sp/tour2011/aktuell/kw28/interview_martin_20110711.jsp

Zitat:
Die schlimmen Stürze, vor allem gestern, sind nicht auf die Fahrweise der Fahrer zurückzuführen. Der erste Sturz ist in einer Linkskurve auf der Abfahrt passiert, die wirklich ganz schwer einzusehen war und sehr eng zugelaufen ist. Da liegt es eher an der Tourorganisation dort einen Polizisten mit einer Warnflagge hinzustellen oder zumindest mit einem Zeichen auf die Gefahr hinzuweisen.


Zitat:
Auf der anderen Seite ist die Tour es uns allen Wert, auch mal auf dem Boden zu liegen. In anderen Rennen würde ich bestimmt das ein oder andere Mal früher bremsen.


Zitat:
Es war eine ganz normale nervöse erste Tourwoche. Jeder will vorne fahren. Auch in engen Ortsdurchfahrten. Sie sollten mal die Sportlichen Leiter erleben, wenn sie ihre Fahrer hinten im Feld fahren sehen, weil einfach kein Platz mehr vorne ist. Da kriegt jeder Fahrer gesagt: 'Weiter vorne fahren! Weiter vorne fahren! Weiter vorne fahren!' Die Fahrer haben keine Chance.



Geschrieben von Piti am 12.07.2011 um 08:55:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Zitat:
Original von Heinz Helfgen
http://cyclocosm.com/2011/07/has-the-2011-tour-de-france-really-been-more-dangerous/
Interessanter Beitrag, der die Zahlen der bis zur 9. Etappe ausgestiegenen Fahrer bei der Tour seit 1997 vergleicht, dabei landet 2011 irgendwo im Mittelfeld. Kann man aber so oder so interpretieren...

Guter Fund. ziehe den hut

Auch ein Beispiel, wozu das Internet gut sein kann. Durch die (durchaus kritikwürdige) Analyse fühlt sich der Nächste angeregt, eine Analyse auf besserer Datenbasis zu machen: http://vandalarchitect.tumblr.com/post/7520859206/tdf-2011-most-dangerous-in-past-decade

Die diesjährige Tour fällt tatsächlich deutlich aus dem Rahmen, der Anteil der Sturzopfer liegt deutlich außerhalb der Standardabweichung. Andererseits ist für die Jahre 2002-2010 kein eindeutiger Trend zu einem größeren Risiko hin erkennbar. Was immer man nun daraus macht. tja....



Geschrieben von Donishäusle am 14.07.2011 um 09:42:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Zitat:
Original von Piti
Die diesjährige Tour fällt tatsächlich deutlich aus dem Rahmen, der Anteil der Sturzopfer liegt deutlich außerhalb der Standardabweichung. Andererseits ist für die Jahre 2002-2010 kein eindeutiger Trend zu einem größeren Risiko hin erkennbar. Was immer man nun daraus macht. tja....


Rein subjektiv konnte man das ja schon vermuten, wenn es sich nun in Zahlen ebenfalls andeutet sollte man da sicher genauer hinschauen. Meine Vermutungen wären:
Das schlechte Wetter führt in Verbindung mit den Carbonfelgen zu unkalkulierbaren Bremswirkungen, und das speziell diese Räder gerade in schnellen Abfahrten auch schneller sind, kann vielleicht jeder einmal ausprobieren der die Gelegenheit dazu hat.
Schmalere Strassen wirken auch verschärfend, vor allem deswegen, weil ich glaube, daß im Augenblichk so eine Art Eigendynamik entsteht. Jeder hat den Eindruck das es häufiger zu stürzen kommt, daher werden alle Fahrer von den DS nach vorne beordert, was dort die Gefahr erhöht, usw. ....
Weiterhin scheinen mir schon die Hierarchien im Feld zerbröselt zu sein. Wenn man sich heute überlegt das ein LA 7Jahre fast nie gestürzt ist, und schaut sich heute die Ausfallquote von RS an, dann hat sich da offensichtlich was verschoben.



Geschrieben von Bugno am 14.07.2011 um 09:45:

  RE: Sicherheit im Profi-Radsport

Es muss doch schon technisch möglich sein, ein ABS für ein Fahrrad zu bauen. Dann wären Stürze, wo beim Bremsen das Rad wegrutscht, schon einmal eliminiert. Auch die Notbremsung auf glattem Untergrund wäre dann möglich. Nachteil ist dadurch natürlich, dass dann noch später gebremst wird etc., und dass der Ausfall des ABS noch fürchterlichere Unfälle zu folge hat ... tja....



Geschrieben von Alfred am 14.07.2011 um 10:29:

 

Ich kann mich an einen glatzköpfigen Italiener erinnern der 98 die Tour und den Giro gewonnen hat und dabei auf den Flachetappen mit der kompletten Mannschaft am Ende des Feldes gefahren ist, um Stürzen auszuweichen.


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